Text übers Zeichnen

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sich verlieren in absehbarer Zeit und auf abgestecktem Terrain
schweifenden Blickes Aufmerksamkeit bündeln
Augenblicke aufzeichnen – Fragmente archivieren – Formen assoziieren
Denkvorgängen nachspüren – Bewußtseinsregionen entdecken und untersuchen – Assoziationsketten verfolgen
erfinden – sammeln – den Fundus erweitern
Jeglicher visueller Reiz brennt sich in unterschiedlicher Intensität in einen bestimmten Bereich des Hirns ein, hinterläßt eine mehr oder weniger präzise Spur – irgendwo in mir unbekanntem Gebiet, im visuellen Gedächtnis.

Mit meiner seismografischen Zeichenmethode gelingt es mir, an diesen visuellen Speicher anzudocken – ich betätige quasi den Synapsencode, der mir Eintritt verschafft.
Oft ist diese Niederschrift fragmentarisch, weil die Wahrnehmung in ständiger Bewegung ist, der Blick permanent selektiert.
Die Vorgehensweise:
das leere Blatt Papier – der Bleistift – dann die erste Setzung.
Reagieren auf dieses erste Signal. Die Assoziationskette ist in Gang gesetzt. Intuition und bewußte Entscheidung müssen sich nun die Waage halten…
Bei den „seismografischen Kompositionen“ gehe ich beidhändig vor.
Die Linke überrascht durch ihre ungeübtere, unbeholfenere Ungelenkheit,
bereichert jedoch die in der Formulierung geschicktere gleichzeitig agierende Rechte. Beide arbeiten mit- und gegeneinander bis diese konzentriert freie Improvisation ein schlüssiges kompositorisches Ganzes ergibt.

Zitat (unbekannter Verfasser):

Die Linie in noch höherem Maße als die Farbe ermöglicht innerhalb der Abstraktion die Loslösung vom Äußeren, von der sichtbaren Welt der Gegenstände und eine Hinwendung zur Veranschaulichung von Strukturen, Prozessen und Energien, von psychischen Befindlichkeiten oder intellektuellen Konzepten. Sie bewegt sich im Spannungsfeld zwischen der Formulierung eines neuen zeichnerischen Organismus und der spontanen Akzeptanz von Bildern, die aus dem Unbewussten heraufdrängen.